- 02.03.2026
Stars for Europe (SfE) und Pelargonium for Europe (PfE) setzen ihre im vergangenen Jahr gestartete Reihe technischer Fachbeiträge zur Förderung der Nachhaltigkeit in der europäischen Zierpflanzenproduktion fort. Die vorherige Ausgabe, in der der britische Experte Neil Bragg über den Einsatz von Torf im Weihnachtssternanbau berichtete, ist hier abrufbar.
Die Artikelserie bündelt Einschätzungen von Expertinnen und Experten aus ganz Europa und stellt Nachhaltigkeitsthemen aus verschiedenen regionalen Blickwinkeln dar. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher lokaler Herausforderungen kommt dem länderübergreifenden Austausch dabei besondere Bedeutung zu.
Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit im Gartenbau aus drei wichtigen Märkten:
- Ungarn: Prof. Dr. János Bálint befasst sich mit nachhaltigen Anbaumethoden in Osteuropa. Er erläutert die Vorteile einer präzisen Düngung, eines geringeren Einsatzes chemischer Mittel und des verstärkten Einsatzes biologischer Pflanzenschutzverfahren – bei gleichbleibender Kulturqualität und einer messbaren Verbesserung der Umweltauswirkungen.
- From Germany, Prof. Dr. Paul Lampert highlights how regional value chains, renewable energy use, and peat-free substrates significantly reduce the carbon footprint of ornamental crops. He emphasizes the role of research and practical innovation in making German horticulture more sustainable.
- From Italy, Giovanna Pavarin discusses ongoing poinsettia trials at the Horticultural Experimental Centre Po di Tramontana. Her work identifies varieties that require fewer critical inputs like heating, water, and chemicals, while advancing biological pest control and testing peat-free substrates.

Prof. Dr. János Bálint – Sapientia Ungarische Universität Siebenbürgen, Fachbereich Gartenbau / Sapientia Hungarian University of Transylvania, Department of Horticulture
Aus Ungarn
Nachhaltigkeit im Zierpflanzenbau stellt eine große Herausforderung dar. Gleichzeitig eröffnet sie
wertvolle Chancen für die Weiterentwicklung von Pflanzen wie Pelargonien und Weihnachtssternen. Diese weit verbreiteten Kulturen benötigen häufig Dünger, Pflanzenwachstumsregulatoren (PGR) und Pflanzenschutzmittel. Jüngste Fortschritte in der Anbautechnik zeigen jedoch eindeutig, dass nachhaltigere Verfahren möglich sind, ohne die Kulturqualität zu beeinträchtigen.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Auswahl geeigneter Sorten sowie die Anpassung der Anbautechnik an deren spezifische Bedürfnisse. Bei passender Sortenwahl und optimalen Kulturbedingungen kann in vielen Fällen vollständig auf den Einsatz von Wachstumsregulatoren verzichtet werden. Das macht die Produktion sowohl umweltverträglicher als auch kosteneffizienter.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einsatz präziser Düngestrategien. In zahlreichen Gewächshäusern hat professionelles Nährstoffmanagement dazu geführt, dass der Düngeraufwand im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren um mindestens 30 Prozent gesenkt werden konnte. Das senkt nicht nur die Produktionskosten, sondern reduziert auch Nährstoffverluste und Umweltbelastungen.
Im Pflanzenschutz eröffnen sich weitere Ansatzpunkte für mehr Nachhaltigkeit. Durch die Entwicklung vorbeugender Strategien, die Schulung der Betriebe sowie ein engmaschiges Monitoring konnten Gartenbauunternehmen in einigen Fällen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um mehr als 50 Prozent senken. Erreicht wurde dies durch den gezielten Einsatz von Präparaten, die auf Grundlage von Resistenztests der aktuellen Schädlingspopulationen ausgewählt wurden und dadurch eine langfristig bessere Kontrolle ermöglichen. Zudem hat der Einsatz von Nützlingen, der im Gemüsebau längst etabliert ist, auch bei Zierpflanzen positive Ergebnisse erzielt. So wird die parasitische Schlupfwespe Encarsia formosa zur biologischen Bekämpfung der Weißen Fliege bei Weihnachtssternen eingesetzt, während Orius-Raubwanzen Thripse in hängenden Geranien effektiv kontrollieren. Der Nützlingspilz Trichoderma wiederum wirkt gegen bodenbürtige Erreger wie Fusarium und Pythium.
Diese Beispiele zeigen, dass Betriebe den Wandel hin zu nachhaltigeren Produktionssystemen bewältigen können – und dass bereits erste ermutigende Teilerfolge erzielt werden. Für Verbraucher bedeutet dies, dass Pelargonien und Weihnachtssterne zunehmend mit gutem Gewissen genossen werden können – im Wissen, dass umweltverantwortliche Verfahren die moderne Pflanzenproduktion immer stärker prägen.

Prof. Dr. Paul Lampert – Kultur- und Betriebssysteme im nachhaltigen Pflanzenbau, Fachhochschule Erfurt / University of Applied Sciences Erfurt
Aus Deutschland
Nachhaltigkeit im Gartenbau ist nicht nur ein Forschungsthema, sondern ein zentrales Anliegen für die Zukunft der Branche. Gerade bei beliebten Kulturen wie der Poinsettie und der Pelargonie zeigt sich, wie eng die ökologische Verantwortung mit regionaler Produktion und innovativen Anbausystemen verbunden ist.
In zahlreichen Projekten konnte gezeigt werden, dass die CO₂-Bilanz von Zierpflanzen erheblich verbessert werden kann, wenn Wertschöpfungsketten konsequent regional gedacht werden, ohne die internationale Perspektive (z.B. Stecklingsproduktion) zu vernachlässigen. Kurze Transportwege und insbesondere die Nutzung erneuerbarer Energien in Gewächshäusern senken die Emissionen deutlich – und stärken zugleich die regionalen Gartenbaubetriebe.
Ein weiteres großes Handlungsfeld ist die Reduktion von Torf im Substrat. Untersuchungen belegen, dass eine teilweise oder sogar vollständige Substitution von Torf durch nachwachsende Rohstoffe nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern in vielen Fällen auch ökonomisch tragfähig sein kann. So ließ sich der CO₂-Fußabdruck bei der Poinsettienproduktion durch torffreie Substrate um über 20 Prozent reduzieren, während die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen vergleichsweise gering blieben.
Projekte wie ToPGa (kurz für „Entwicklung und Bewertung von Torfreduzierten Produktionssystemen im Gartenbau“), zeigen, dass praxisgerechte Torfersatzstoffe entwickelt und erfolgreich eingesetzt werden können. ToPGa war ein dreijähriges Forschungsprojekt, bei dem Substratmischungen unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten bewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich manche Kulturen bereits vollständig torffrei produzieren lassen, während dies bei anderen aus wirtschaftlichen Gründen derzeit noch nicht darstellbar ist. Dabei haben sowohl die im Gewächshaus eingesetzten Energiequellen als auch die Verpackung einen großen Einfluss. Die Studie zeigte zudem, dass die mikrobielle Aktivität im Substrat die Anziehung von Schädlingen stark beeinflusst. So erweisen sich Rindenhumus und Grünkompost als deutlich attraktiver für Trauermücken als Weißtorf oder Sphagnum – ein Befund, der die Herausforderung unterstreicht, agronomische, wirtschaftliche und ökologische Faktoren in Einklang zu bringen.
Diese Ergebnisse verdeutlichen: Der deutsche Gartenbau arbeitet intensiv daran, nachhaltiger zu werden – mit wissenschaftlich fundierten Konzepten und einer starken Praxisorientierung.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Poinsettien oder Pelargonien können mit gutem Gewissen genossen werden, im Wissen, dass die Pflanzenproduktion umweltfreundlicher und zukunftsfähig gestaltet wird.

Giovanna Pavarin – Gärtnerische Fachtechnikerin, Gartenbauliches Versuchszentrum Po di Tramontana, Veneto Agricoltura / Floricultural technician, Horticultural Experimental Centre Po di Tramontana, Veneto Agricoltura
Aus Italien
Am gartenbaulichen Versuchszentrum Po di Tramontana führen wir jedes Jahr Sortenversuche mit Weihnachtssternen durch. Ziel ist es dabei nicht nur, die agronomischen und ziergärtnerischen Eigenschaften der Sorten zu beschreiben, sondern auch aufzuzeigen, welche mit einem geringeren Bedarf an wichtigen Ressourcen auskommen – etwa Heizenergie, Wasser, Wachstumsregulatoren und chemischen Mitteln allgemein.
Wir haben die biologische Bekämpfung der wichtigsten Schädlinge an Weihnachtssternen erforscht und dabei sehr gute Ergebnisse erzielt. Das bedeutet, dass sich inzwischen mit sehr wenigen chemischen Behandlungen gesunde Pflanzen erzeugen lassen – und langfristig ist sogar eine Produktion ganz ohne zusätzliche Maßnahmen denkbar.
Seit drei Jahren testen wir außerdem torffreie Substrate in der Weihnachtssternproduktion. Die Versuche zeigen sowohl Vorteile als auch Herausforderungen – wir arbeiten daran, die Schwierigkeiten zu lösen und dabei die ökologische Nachhaltigkeit im Blick zu behalten.
Veneto Agricoltura ist eine öffentliche Einrichtung, die die Region Venetien und italienische Betriebe bei technischen Entscheidungen unterstützt – mit besonderem Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit. Eine der Einrichtungen von Veneto Agricoltura ist das gartenbauliche Versuchszentrum Po di Tramontana in Norditalien.
Abdruck honorarfrei bei Angabe der Bildquellen „Pelargonium for Europe“ oder „Stars for Europe“. Belegexemplar erbeten. Weitere Informationen für die Branche stehen für PfE unter www.pfe-trade.com und für SfE unter www.sfe-trade.com zur Verfügung.
